Wenn im Herbst plötzlich graubraune, marmorierte Wanzen an Fenstern, Rollladenkästen oder Vorhängen sitzen, handelt es sich meist um die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys). Sie ist harmlos und tritt seit einigen Jahren in deutschen Städten in großer Zahl auf, besonders im Oktober und November. Worum es geht, wie Sie die Tiere sicher erkennen und wann sich ein Fachbetrieb lohnt, steht unten.
Marmorierte Baumwanze erkennen: vier typische Merkmale
Größe und Zeichnung reichen meist schon aus, um sie von heimischen Arten zu unterscheiden:
- Größe und Form: gut 12 bis 17 Millimeter lang, breit und schildförmig
- Rückenmuster: graubraun bis schieferfarben, mit einer feinen hellen Marmorierung
- Fühler: auffällig hell-weiß geringelt, besonders deutlich an den äußeren Gliedern
- Hinterleibsrand (Connexivum): am seitlichen Rand wechseln sich dunkle und helle Felder ab
Verwechselt wird sie am ehesten mit der Grauen Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa). Die beiden Arten lassen sich an den hell-weiß geringelten Fühlern und der Marmorierung des Rückens unterscheiden; die Gartenwanze trägt am Rand des Hinterleibs ein durchgehendes hell-dunkles Band statt wechselnder Felder. Auch die Rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes) sieht ähnlich aus, hat aber kräftig rot-orange Beine. Wer unsicher ist, sollte ein Foto machen und mit einer Bestimmungs-App oder dem zuständigen Pflanzenschutzdienst abgleichen.
Warum kommen sie im Herbst plötzlich ins Haus?
Die Marmorierte Baumwanze stammt aus Ostasien (China, Japan, Korea) und wurde nach Europa und Nordamerika verschleppt. In Deutschland wurde sie 2011 erstmals nachgewiesen, seit ungefähr 2018 tauchen hier nennenswert viele Tiere auf. Den Sommer über lebt sie an Bäumen und Sträuchern und saugt an Früchten und Blättern; im Obst- und Weinbau kann sie so spürbare Ertragsverluste verursachen.
Sobald die Tage kürzer und kühler werden, suchen die erwachsenen Tiere ein warmes, geschütztes Winterquartier. Typische Ziele sind Rollladenkästen, Fensterspalten, Dachböden, Lüftungsschlitze in der Fassade, aber auch Innenräume hinter Vorhängen und Möbeln. Dass dort auch andere Mitbewohner auftauchen, zeigt unser Beitrag zu Ameisen im Rollladenkasten in Köln. An sonnigen Herbstnachmittagen sammeln sich an Süd- und Westfassaden manchmal mehrere Dutzend Tiere. Um Schädlinge im eigentlichen Sinn handelt es sich nicht: In der Wohnung kommt keine Vermehrung zustande, die Tiere überwintern dort nur.
Sind Marmorierte Baumwanzen gefährlich?
Für Menschen, Haustiere und die Bausubstanz sind die Wanzen ungefährlich:
- sie stechen und beißen nicht und übertragen keine Krankheiten
- sie saugen weder an Holz noch an Lebensmitteln und machen nichts an Kleidung
- ihr Auftreten sagt nichts über die Wohnhygiene aus
Ein Punkt ärgert Betroffene aber immer wieder: das Abwehrsekret. Bei Druck oder Erschrecken geben die Tiere einen Stoff aus der Stinkdrüse ab, der an frischen Koriander erinnert. Auf Tapeten, Gardinen oder Polstern kann das Sekret Flecken hinterlassen, und in geschlossenen Räumen dauert es eine Weile, bis der Geruch verzogen ist. Nach direktem Kontakt wird gelegentlich von leichten Haut- oder Schleimhautreizungen berichtet. Das ist selten. Für Allergiker ist es trotzdem ein Grund, größere Ansammlungen fachgerecht entfernen zu lassen.
Was Sie sofort selbst tun können
Wer nur vereinzelt Wanzen findet, kommt selbst zurecht:
- Fangen statt schlagen: Tiere mit einem Glas und Pappe aufnehmen oder kurz mit dem Staubsauger absaugen. Den Beutel danach gut verschließen und direkt entsorgen, sonst riecht das Gerät auch beim nächsten Einsatz nach Wanze.
- Nicht zerdrücken: Beim Zerquetschen tritt das Stinksekret aus und kann auf Tapete oder Textilien Flecken hinterlassen.
- Einflugwege abdichten: Dichtungen an Fenstern und Rollladen, Silikon an Fugen und Spalten, feinmaschige Gitter vor Lüftungen. Am wirkungsvollsten ist der Spätsommer, also kurz vor dem ersten kalten Herbstnächten. Wer die Fassade ohnehin anfassen lässt, sollte dabei gleich alle undichten Stellen am Gebäude mitnehmen.
- Licht reduzieren: Helle Abendbeleuchtung und vor allem UV-reiches, bläuliches Licht ziehen Wanzen an. Wer tagsüber lüftet, sollte die Fenster nach Sonnenuntergang wieder schließen.
- Fassade abnehmen: An Tagen mit starkem Anflug lohnt es sich, die betroffene Fassadenseite am Morgen abzusaugen oder mit einem sanften Wasserstrahl abzureinigen. Beim Gerät mit Beutel den Beutel sofort gut verschließen und entsorgen, sonst riecht das nächste Gerät nach Wanzen.
Helfen Seifenwasser oder Insektizid?
Ein Sprühgemisch aus Wasser und einem Spritzer Spülmittel setzt einzelne Tiere durch die direkte Benetzung rasch außer Gefecht. Für die paar Wanzen im Zimmer ist das ein einfacher Griff. Gegen den nächsten Anflug hilft es nicht, und schon anwesende Tiere sind nach ein bis zwei Stunden wieder munter. Wanzen vermehren sich in der Wohnung ohnehin nicht, Eier oder Nymphen sucht man hier also vergeblich.
Von klassischen Insekten- oder Wespen-Sprays raten wir ab. Die üblichen Mittel aus dem Baumarkt sind für Baumwanzen ungeeignet, belasten Wohnluft und Haustiere und lassen am nächsten Tag trotzdem neue Tiere anfliegen. Wer den Anflug deutlich reduzieren will, dichtet die Einflugwege und nutzt ein zugelassenes Verfahren nur dort, wo es wirklich nötig ist.
Wann lohnt sich ein Kammerjäger?
Eine professionelle Begutachtung ist dann sinnvoll, wenn:
- regelmäßig Dutzende Tiere in die Wohnung gelangen und das Abdichten allein nicht mehr ausreicht,
- die Ursache unklar ist, etwa eine undichte Dachboden-Dämmung oder eine Fassadenkonstruktion mit unentdeckten Spalten,
- Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen und das Problem die gesamte Hausgemeinschaft betrifft,
- der Geruch oder die Menge die Nutzung von Schlaf-, Wohn- oder Arbeitsräumen merklich einschränkt.
Ein Fachbetrieb prüft zuerst, woher die Tiere tatsächlich kommen, dichtet die Haupteinflugstellen und bespricht mit Ihnen, ob eine ergänzende Behandlung sinnvoll ist. Eine pauschale Vollsicherung des ganzen Hauses mit Sprühmitteln ist bei Baumwanzen selten die beste Antwort.
In Köln und den umliegenden Stadtteilen ist das erfahrbare Team von SafeHome unterwegs, wenn es um die lästigen Besucher am Fenster geht. Der Kammerjäger-Service für Schädlingsbekämpfung in Köln kommt zur Ortsbegehung, dichtet die Einflugstellen und stimmt die Behandlung auf Ihr Gebäude ab. Rufen Sie an: 022129256020. Für ein anderes häufiges Herbstthema haben wir einen eigenen Beitrag geschrieben: Stinkwanzen in Köln erkennen, entfernen und vorbeugen.
Häufige Fragen zur Marmorierten Baumwanze
Sticht oder beißt die Marmorierte Baumwanze?
Nein. Ihr Saugrüssel dient ausschließlich dem Pflanzensaugen; eine Übertragung auf Mensch oder Tier ist nicht bekannt.
Warum riechen Baumwanzen nach Koriander?
Bei Bedrohung geben die Tiere ein Abwehrsekret aus der Stinkdrüse ab, dessen Geruch an Koriander erinnert. Es gilt als wenig toxisch, kann auf Textilien aber Flecken hinterlassen und in geschlossenen Räumen eine Weile wahrnehmbar bleiben. Direktkontakt mit dem Sekret wird von einzelnen Betroffenen als unangenehm beschrieben.
Vermehren sich Baumwanzen in der Wohnung?
Nein. Die Eiablage erfolgt ausschließlich im Sommer an Blättern im Freien, deshalb fliegen die Tiere im Frühjahr wieder hinaus und nutzen den Innenraum nur als Überwinterungsquartier.
Wie bekomme ich Wanzen und Geruch wieder weg?
Tiere mit Glas und Pappe einfangen oder absaugen, bewohnte Räume gut durchlüften, Textilien ausklopfen und bei Bedarf waschen. In porösen Materialien kann der Geruch einige Tage anhalten, danach verzieht sich der Geruch; sichtbare Flecken müssen Sie ggfs. von Tapeten oder Polstern abreiben.
Was hilft, wenn an der Fassade sehr viele Wanzen sitzen?
Einflugstellen an Fassade, Fenstern und Rollladenkästen konsequent abdichten, helle und blaue Abendbeleuchtung vermeiden und den Fassadenbereich an sonnigen Tagen vorsichtig abduschen. Wer regelmäßig sehr viele Wanzen hat, sollte einen Fachbetrieb vor Ort draufschauen lassen.
Die Marmorierte Baumwanze ist für Menschen ungefährlich, aber durch ihr Massenauftreten und ihr Abwehrsekret im Herbst lästig. Einzelne Tiere lassen sich gut selbst entfernen; wer Fenster, Türen und Rollladenkästen dicht bekommt, hält den Großteil draußen. Erst bei wiederkehrendem starkem Anflug oder unklarer Einflugquelle lohnt sich der Anruf beim Fachbetrieb. Eine kurze Ortsbegehung bringt dann oft mehr als jede Flasche aus dem Baumarkt.
