Seit Ende August berichten Imkerinnen und Imker sowie Gartenbesitzer im Rheinland von auffallend dunklen, groß wirkenden Hornissen, die an Bienenstöcken entlangfliegen, oder von Nestern, die hoch in den Baumkronen hängen. Meist handelt es sich dabei um die Asiatische Hornisse (Vespa velutina), eine eingeschleppte Art, die sich in den letzten Jahren auch in Nordrhein-Westfalen ausbreitet. In Köln und Umgebung werden deshalb seit dem Spätsommer jährlich neue Beobachtungen gemeldet.
Für Menschen ist die Asiatische Hornisse nicht gefährlicher als die heimische Art. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, sie zu erkennen, zu melden und ein Nest korrekt einzuordnen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie die Asiatische Hornisse sicher bestimmen, welchen Ablauf die Meldung in NRW hat, was ein Nest im Herbst bedeutet und wann ein Fachbetrieb mit Spezialausrüstung eingeschaltet werden sollte.
Wie Sie die Asiatische Hornisse erkennen
Die Asiatische Hornisse kommt ursprünglich aus Südostasien und gelangte in den 2000er-Jahren über Frankreich nach Europa. In Deutschland wurde 2014 erstmals ein gesicherter Fund in Baden-Württemberg dokumentiert, ein Jahr später – 2015 – wurde das erste Nest im Raum Karlsruhe gefunden. Im Rheinland und in Köln gibt es inzwischen seit mehreren Jahren regelmäßige Nachweise. Zur eindeutigen Bestimmung zählen drei Merkmale.
Größe, Färbung und Beine
- Arbeiterinnen sind etwa 2 bis 2,5 cm groß, Königinnen erreichen fast 3 cm – damit ist die Asiatische Hornisse insgesamt etwas kleiner als die heimische Variante.
- Der Körper wirkt schlanker, der Hinterleib ist überwiegend dunkel, versehen mit schmalen gelb-orangenen Bändern und einer orangegelben Spitze.
- Die Beinenden sind gelb; diese gelben Fußspitzen lassen sich auf Fotos am leichtesten erkennen.
- Von vorne erscheint das Tier fast schwarz, da Kopf und Brust dunkel gefärbt sind, während das Gesicht orangegelb ist.
Verwechslung mit der heimischen Hornisse
Die heimische Hornisse ist größer, kräftiger und deutlich gelber gefärbt. Ihre Beine sind rotbraun statt gelb. Wer die beiden Arten einmal nebeneinander beobachtet hat, verwechselt sie kaum. Die nachfolgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.
| Merkmal | Asiatische Hornisse | Heimische Hornisse |
|---|---|---|
| Größe | Arbeiterinnen 2 bis 2,5 cm | Arbeiterinnen etwa 2 bis 2,5 cm, Königinnen bis 3,5 cm, kräftiger gebaut |
| Grundfarbe | überwiegend dunkel, wirkt fast schwarz | gelb-schwarz, Vorderkörper gelb gezeichnet |
| Beine | gelbe Fußenden | rotbraun |
| Hinterleib | schmale gelb-orange Binden, orangegelbe Spitze | breite gelbe Binden, dunkle Spitze |
| Nest | grau-braune Papierhülle, hoch in Bäumen, bis etwa 1 m | oft in Dachböden, Rollladenkästen, Hohlräumen |
Wer die heimische Hornisse erkennen, einordnen und bekämpfen möchte, findet die Grundlagen im eigenen Ratgeber. Beide Arten verhalten sich ähnlich, unterscheiden sich jedoch im Schutzstatus und bei den zuständigen Behörden.
Nester: erst klein und tief, später hoch und groß
Im Frühjahr errichtet die Königin ein kleines Erstnest, das sich häufig in Schuppen, Hecken oder unter Balkondecken befindet. Sobald der Sommer beginnt, verlagert das Volk sich in ein Hauptnest, das meist hoch in den Baumkronen zu finden ist, aber auch an Dachüberständen, Garagen oder schwer einsehbaren Fassadenabschnitten auftreten kann. Das Nest ist von einer grau-braunen Papierhülle mit einem seitlichen Einflugloch umgeben und kann bis zu etwa einen Meter Länge erreichen.
Nest im Herbst: Was jetzt noch drin steckt
Erst im Spätherbst sterben die Arbeiterinnen; bis dahin jagen die Völker weiter, im milden Rheinland teilweise bis in den November. Ab November sind die meisten Hauptnester bereits leer, nur die begatteten Jungköniginnen überleben und überwintern einzeln in Laubhaufen, Borken oder Erdspalten. Im Nest selbst übersteht gewöhnlich kein Insekt den Winter.
Für Hausbesitzer bedeutet das: Ein großes Nest im Herbst ist in der Regel bereits verlassen. Das Entfernen bewirkt kaum etwas für die Eindämmung der Ausbreitung. Sinnvoller sind zwei Maßnahmen: Zuerst den Standort genau dokumentieren und melden, damit die Naturschutzverwaltung die Ausbreitung erfassen kann. Zweitens im Frühjahr gezielt nach neuen Erstnestern in der Umgebung suchen, denn dort beginnt die nächste Saison. Erst wenn das Nest noch aktiv ist oder unmittelbar an Eingang, Fenster, Kita oder Bienenstand hängt, ist eine Entfernung erforderlich.
So läuft die Meldung in NRW
Die Asiatische Hornisse ist nach Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 als invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung eingestuft. Damit ergeben sich Melde- und Managementpflichten, die in Nordrhein-Westfalen über die Naturschutzverwaltung abgewickelt werden. Zuständig ist das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) mit dem offiziellen Landesmeldeportal; ebenso nimmt die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Köln Meldungen entgegen.
Für eine brauchbare Meldung reichen wenige Angaben:
- zwei bis drei klare Fotos aus unterschiedlichen Blickwinkeln, möglichst mit einem Größenvergleich
- den genauen Standort mit Adresse und die Höhe des Nests
- den Hinweis, ob das Nest frei sichtbar oder verdeckt hängt
- das Beobachtungsdatum und die Angabe, ob Bienenstände in der Nähe vorhanden sind
- Ihre Kontaktdaten für eventuelle Rückfragen
Versuchen Sie nicht, das Nest selbst zu beseitigen. Sprays erreichen das Volk selten, reizen die Tiere jedoch und erhöhen das Stichrisiko unnötig. Die Meldung ist für Sie kostenlos.
Warum die Art Imkereien beschäftigt
Die Asiatische Hornisse geht gezielt Honigbienen an. Sie positioniert sich vor Bienenstöcken und ergreift anfliegende Tiere; im Spätsommer und Herbst nimmt die Jagd zusätzlich zu. Einzelne Völker können dadurch geschwächt werden, insbesondere wenn mehrere Nester in der Nähe existieren. Von einem Bienensterben allein durch diese Art zu sprechen, wäre jedoch unzutreffend: Der Rückgang von Wild- und Honigbienen hat zahlreiche Ursachen, die Hornisse ist nur ein Faktor von vielen.
Für Anwohner ohne eigenen Bienenstand stellt die Art meist ein Beobachtungsobjekt dar. Sie sticht in der Regel nur zur Verteidigung, vor allem in der Nähe des Nests, wenn man sich auf etwa zwei bis drei Meter nähert. Auch einzelne Tiere können zustechen, wenn sie sich bedroht fühlen, etwa beim Versuch, sie zu vertreiben. Ein Stich schmerzt ähnlich wie der einer heimischen Hornisse, und bei bekannter Insektengiftallergie kann bereits ein einzelner Stich ein Notfall sein. Mehrere Stiche, Stiche im Mund- oder Rachenraum oder eine bekannte Allergie erfordern immer ärztliche Hilfe.
Was Sie selbst tun können und wann Profis arbeiten
Eigene Maßnahmen sind begrenzt. Sinnvoll ist Abstand zu halten, die Situation ruhig zu beobachten und eine präzise Meldung zu erstellen. Wespenfallen oder selbst gebaute Köder sind kontraproduktiv, weil sie ungezielt heimische Insekten fangen und die Asiatische Hornisse nicht wirksam reduzieren.
Ein Fachbetrieb sollte eingeschaltet werden, wenn das Nest aktiv ist, unmittelbar an Eingang, Fenster, Kita oder Bienenstand hängt oder wenn im Haushalt Allergiker wohnen. Der übliche Ablauf besteht aus der Artenbestimmung und Beurteilung, der Abstimmung mit der Naturschutzbehörde, die in der Regel die Entfernung freigibt, der Durchführung in den kühlen Morgenstunden mit Schutzkleidung – bei hohen Nestern mit Hubarbeitsbühne – und abschließend einer Kontrolle des Standorts.
| Leistung | Orientierung (unverbindlich) |
|---|---|
| Artenbestimmung und Beurteilung nach Fotos oder Vor-Ort-Termin | 80 bis 150 Euro |
| Nestentfernung im gut zugänglichen Bereich | 150 bis 300 Euro |
| Nest in großer Höhe, Baumkrone oder schwer zugänglichem Dachbereich | ab 300 Euro |
Alle Angaben dienen lediglich als unverbindliche Orientierung und stellen keinen Pauschalpreis dar. Der tatsächliche Aufwand richtet sich nach Zugänglichkeit, Höhe, Umfang, erforderlicher Technik und der Abstimmung mit der Behörde. Eine Übersicht zum Thema Hornissennest entfernen lassen und Kosten finden Sie im eigenen Ratgeber; für den Raum Köln stehen die möglichen Leistungen unter Kammerjäger Köln Hornissen und Kosten.
Häufige Fragen zur Asiatischen Hornisse
Ist die Asiatische Hornisse für Menschen gefährlicher als die heimische Hornisse?
Nein. Das Gift wirkt ähnlich wie das der heimischen Hornisse. Ein Stich ist vor allem zu erwarten, wenn man sich einem aktiven Nest nähert und das Volk bedroht fühlt. Bei bekannter Insektengiftallergie kann jedoch bereits ein einzelner Stich ohne Nestnähe problematisch werden.
Woran erkenne ich sie am sichersten?
An den gelben Fußspitzen, dem überwiegend dunklen, schlanken Körper und dem fast schwarzen Erscheinungsbild von vorne mit orangegelbem Gesicht. Die heimische Hornisse ist kräftiger, gelber und hat rotbraune Beine.
Muss ich einen Fund melden?
Für Privatpersonen besteht keine gesetzliche Meldepflicht. Dennoch ist Ihre Meldung wichtig, weil die Art zu den unionsweit bedeutsamen invasiven Arten zählt. Melden Sie den Fund mit Fotos und Standort beim Landesmeldeportal in NRW oder bei der Unteren Naturschutzbehörde – die Meldung ist kostenlos.
Bringt es etwas, das Nest im Herbst zu entfernen?
Meist nicht. Ab November sind die Hauptnester leer, da nur die begatteten Jungköniginnen einzeln überwintern. Sinnvoller sind das Dokumentieren und Melden sowie im Frühjahr nach neuen Erstnestern suchen.
Was kostet die Entfernung durch einen Fachbetrieb?
Als grobe Orientierung gelten 80 bis 150 Euro für Bestimmung und Beurteilung und 150 bis 300 Euro für die Entfernung an gut zugänglichen Stellen. Bei großer Höhe oder schwieriger Zugänglichkeit steigen die Kosten. Ein Pauschalpreis ohne Besichtigung kann nicht seriös angegeben werden.
Sind Wespenfallen eine gute Idee?
Nein. Wespenfallen fangen ungezielt heimische Insekten, darunter geschützte Arten, und reduzieren die Asiatische Hornisse nicht wirksam.
Was mache ich, wenn ich gestochen werde?
Kühlen, sichtbare Stachelreste entfernen, die Stelle beobachten. Bei mehreren Stichen, Stichen im Mund- oder Rachenraum oder bei bekannter Allergie sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Wie aggressiv Wespen im Spätsommer werden, erklärt auch der Beitrag Wespen im Herbst.
