Es ist kurz nach elf, Sie wollen nur ein Glas Wasser holen, und hinter dem Kühlschrank raschelt es. Spätestens dann stellt sich die Frage, ob da eine Maus oder eine Ratte unterwegs ist. Die Antwort entscheidet über die passende Falle und darüber, ob Sie das Problem allein lösen sollten.
Vier Merkmale bringen in den meisten Fällen Klarheit: Größe, Kopfform, Schwanz und Kot. Ein einzelnes davon reicht selten aus. Sehr junge Ratten können täuschen, und im Dämmerlicht wirkt jede Maus eine Nummer größer, als sie ist.
Warum die Unterscheidung mehr ist als Tierbestimmung
Hausmaus und Wanderratte gehören beide zu den Schadnagern, verhalten sich aber fast gegensätzlich. Eine Maus ist neugierig. Sie erkundet neue Gegenstände sofort, läuft auch tagsüber über Arbeitsflächen und wechselt häufig den Aufenthaltsort. Eine Wanderratte ist misstrauisch: Sie meidet fremde Objekte tagelang, nutzt feste Wechsel an Wänden und arbeitet meist in der Dämmerung.
Für die Bekämpfung heißt das: Eine Falle, die bei Mäusen nach einer Nacht zuschnappt, bleibt bei Ratten oft eine Woche lang unberührt. Wer beides mit derselben Routine angeht, verliert Zeit.
Dazu kommt der Gesundheitsteil. Ratten leben häufig in der Kanalisation und scheiden Leptospiren mit dem Urin aus. Der typische Übertragungsweg führt über feuchte Stellen, Pfützen und verunreinigtes Wasser, nicht über einen Biss. Mäuse leben näher an Vorräten und verunreinigen Lebensmittel mit Kot, Urin und Haaren. Bei beiden gilt dieselbe Regel: Kot nie trocken zusammenkehren. Dabei wird Staub aufgewirbelt, der die Erreger mit sich führt. Erst befeuchten, dann mit Handschuhen aufnehmen und die Fläche desinfizieren. Wer nach dem Kontakt mit Rattenurin Fieber oder Gliederschmerzen bekommt, sollte beim Arzt den Kontakt erwähnen.
Weniger bekannt: Rattenbefall ist in vielen Städten und Gemeinden meldepflichtig. Die Regelung steht in der örtlichen Satzung oder in einer Gefahrenabwehrverordnung, zuständig ist meist das Ordnungs- oder Gesundheitsamt. Für Mäuse gilt das in der Regel nicht. Wer Ratten im Haus vermutet, sollte deshalb vor dem ersten Köder klären, was die Kommune erwartet.
Größe: erster Hinweis, kein Beweis
Ausgewachsene Hausmäuse bringen es auf 7 bis 10 Zentimeter Kopf-Rumpf-Länge, der Schwanz kommt mit 7 bis 10 Zentimetern fast noch einmal dazu. Das Gewicht liegt zwischen 15 und 25 Gramm. Wanderratten sind eine andere Liga: 20 bis 28 Zentimeter Körper, 17 bis 23 Zentimeter Schwanz, 200 bis 500 Gramm.
Die Hausratte, in Deutschland deutlich seltener und vor allem in Hafenstädten zu finden, liegt dazwischen: 15 bis 22 Zentimeter Körperlänge, 120 bis 250 Gramm, und ein Schwanz, der länger ist als der restliche Körper.
Nur nach Größe zu gehen, ist trotzdem riskant. In den ersten drei, vier Wochen ist eine junge Wanderratte tatsächlich mausgroß. Danach legt sie schnell zu: Mit acht Wochen ist sie meist deutlich länger als eine Hausmaus und wiegt über 100 Gramm. Wirklich verwechslungsgefährdet sind also nur sehr junge Tiere, und die bleiben meist im Nest. Verlässlicher als die Länge sind die Proportionen.
Kopf, Ohren und Augen
Der Kopf verrät mehr als der Zentimeter. Bei der Hausmaus läuft die Schnauze spitz zu, die Ohren sitzen hoch und wirken im Verhältnis zum Kopf groß, die Augen sind rund und deutlich sichtbar. Die Wanderratte hat eine stumpfe, breite Schnauze, auffallend kleine Ohren und kleinere Augen. Aus der Nähe wirkt ihr Kopf klobiger.
Der Schwanz ist das ehrlichste Merkmal
Ein Mäuseschwanz ist dünn, fast körperlang und nur spärlich behaart. Ratten haben einen deutlich dickeren, schuppigen Schwanz. Bei der Wanderratte ist er kürzer als die Kopf-Rumpf-Länge, bei der Hausratte länger. Wenn Sie nur ein Merkmal prüfen können, nehmen Sie dieses.
Vorsicht bei Tieren, die eine Katze angeschleppt hat, oder bei abgetrennten Schwänzen. Dann hilft nur die Gesamtansicht von Kopf, Körper und Schwanzansatz.
Kot: spindelförmig oder wurstförmig
Mäusekot ist 3 bis 6 Millimeter lang, spindelförmig und läuft an beiden Enden spitz zu. Er liegt verstreut, oft in Schubladen, hinter Möbeln oder in Vorratsschränken. Rattenkot misst 10 bis 20 Millimeter, ist wurstförmig, an den Enden stumpf und häufig an festen Laufwegen zu finden, etwa an Wandkanten, in Ecken oder auf Bodenbalken.
Frische Körner glänzen dunkel, ältere werden grau und bröselig. Aus dem Zustand lässt sich grob ablesen, wie lange der Befall schon läuft. Eine ausführliche Bestimmungshilfe, auch zur Abgrenzung gegen Marderkot, steht im Beitrag Mäusekot oder Rattenkot.
Verhalten und Spuren
Ratten hinterlassen an viel begangenen Stellen Fett- und Schmutzspuren: dunkle, leicht schmierige Streifen an Wandkanten, Rohren und Türrahmen. Bei Mäusen bleiben eher feine Kratzspuren und kurze, saubere Laufwege.
Beim Nagen zeigt sich der Unterschied ebenfalls. Mäuse hinterlassen feine Rillen an Verpackungen und Kabelisolierungen, Ratten deutlich gröbere Späne und Kerben, oft auch an härterem Material.
Mäuse klettern geschickt, springen etwa 30 Zentimeter hoch und kommen durch Spalten von einem halben bis einem Zentimeter. Wanderratten leben deutlich bodennäher. Sie graben Gänge, halten sich in Kellern, Schächten und Kanälen auf, schwimmen gut und springen bis zu 70 Zentimeter hoch. Klettern können sie trotzdem, etwa an rauen Wänden und Rohren. Bei ihnen zählt vor allem der Zugang über Kanal, Schacht, Kellertür oder Garagenwand.
Wasser braucht vor allem die Ratte. Sie muss täglich trinken und bleibt deshalb in der Nähe von Abflüssen, Regenrinnen und undichten Leitungen. Mäuse decken einen großen Teil ihres Bedarfs über die Nahrung und kommen ohne offene Wasserstelle aus. Deshalb sitzt eine Maus auch in einem Bürogebäude ohne Kantine.
Drei Verwechslungen, die regelmäßig passieren
Jungratte: In den ersten Wochen ist sie mausgroß, hat aber schon den stumpfen Kopf und den dicken Schwanz. Wenn das Tier kleiner wirkt als erwartet, prüfen Sie den Schwanzansatz, nicht die Länge.
Spitzmaus: Sie ist keine Maus, sondern ein Insektenfresser. Die Schnauze ist rüsselartig verlängert, die Augen sind winzig, das Fell wirkt samtig. Spitzmäuse zählen zu den besonders geschützten Arten und dürfen weder bekämpft noch getötet werden. Wer eine im Haus findet, öffnet ihr den Weg nach draußen und sucht die Ursache. Mehr dazu im Beitrag Spitzmaus im Haus.
Wühlmaus und Feldmaus: kurzer Schwanz, kleine Ohren, runde Kopfform, kein Klettern. Sie bleiben im Garten, finden sich im Herbst aber auch in Garage und Gartenhaus. Was dort hilft, steht unter Wühlmäuse im Garten.
Was die Art für die Bekämpfung bedeutet
Bei Mäusen zählt Tempo. Eine Maus braucht rund 3 Gramm Futter am Tag, vermehrt sich aber schnell: Bei guten Bedingungen sind mehrere Würfe pro Jahr möglich, und aus einem Paar wird in wenigen Monaten eine große Familie. Sinnvoll sind mehrere Fallen direkt an den Laufwegen, nicht eine einzelne in der Raummitte. Bewährt haben sich Erdnussbutter, Haferflocken mit etwas Öl und ein Stück Schokolade. Kontrollieren Sie die Fallen zweimal täglich und tragen Sie Handschuhe.
Bei Ratten entscheidet die Geduld. Wegen der Scheu vor Neuem müssen Köderstationen einige Tage unbeschickt stehen, bevor sie angenommen werden. Erst dann lohnt sich das Bestücken. Antikoagulanzien wirken verzögert, und in vielen Regionen sind Wanderratten gegen die gängigen Wirkstoffe bereits unempfindlich. Gift gehört außerdem nicht in die freie Fläche: Es gefährdet Igel, Greifvögel, Katzen und Kinder. Für den beruflichen Einsatz von Biozidködern ist ein Sachkundenachweis vorgeschrieben; privat sind nur die ausdrücklich dafür zugelassenen Mittel erlaubt.
Klebfallen lehnen wir ab. Sie verursachen vermeidbares Leid, ohne das Problem zu lösen.
Am wirksamsten ist, den Zugang zu schließen. Ein fingerbreiter Spalt unter der Kellertür, ein offener Revisionsschacht, ein ungesicherter Abfluss: Das sind die eigentlichen Ursachen. Solange der Zugang offen bleibt, fängt die Falle nur die Tiere, die schon da sind. Wie Sie Fallen richtig platzieren, steht im Beitrag Mausefalle richtig aufstellen.
Wann Fachleute sinnvoll sind
Vieles lässt sich selbst erledigen, solange es um einzelne Mäuse in Wohnräumen geht. Fachliche Begleitung ist angebracht, wenn Kot in der Küche oder in Vorratsräumen liegt, wenn Kabel angenagt sind, wenn innerhalb von zwei Wochen mehr als zwei Tiere gefangen werden, wenn ein Mehrfamilienhaus oder ein Betrieb betroffen ist oder wenn Ratten im Spiel sind. Bei Lebensmittelbetrieben kommt die Dokumentationspflicht dazu, etwa im Rahmen eines HACCP-Konzepts.
Die Kosten hängen von Fläche, Befallstiefe und Zahl der Termine ab. Bei Mäusen liegt eine Behandlung in Wohnungen meist zwischen 200 und 400 Euro, bei Ratten zwischen 250 und 500 Euro. Mehrere Termine sind die Regel, weil eine Nachkontrolle nach zwei bis drei Wochen dazugehört. Eine Übersicht über die Preisbestandteile finden Sie im Kammerjäger-Kosten-Ratgeber, die passende Leistung unter Ratten und Mäuse bekämpfen.
Häufig gestellte Fragen
Wie erkenne ich eine Maus und eine Ratte am schnellsten?
Am Schwanz. Ein Mäuseschwanz ist dünn und fast körperlang, ein Rattenschwanz ist dick, schuppig und bei der Wanderratte kürzer als der Körper. Dazu kommen Kopfform und Größe: spitz und klein bei der Maus, stumpf und deutlich größer bei der Ratte.
Wie groß ist der Unterschied beim Kot?
Mäusekot ist 3 bis 6 Millimeter lang, spindelförmig und läuft an beiden Enden spitz zu. Rattenkot ist 10 bis 20 Millimeter lang, wurstförmig und an den Enden stumpf.
Kann eine junge Ratte wie eine Maus aussehen?
Nur in den ersten drei bis vier Wochen. Danach wächst eine Wanderratte schnell und ist mit acht Wochen deutlich größer als eine Hausmaus. Auch bei jungen Tieren ist der Kopf breiter und der Schwanz dicker als bei einer Maus.
Können Ratten durch die Toilette ins Haus kommen?
Das kommt vor, ist aber selten. Wanderratten schwimmen gut und nutzen Kanäle. Über beschädigte Leitungen oder offene Revisionsschächte gelangen sie in Abwasserrohre. Ein Blick in den Schacht und eine Rückstauklappe bringen mehr als eine Falle im Bad.
Sind Mäuse oder Ratten gefährlicher?
Ratten übertragen Leptospiren über den Urin. Bei Mäusen steht die Verunreinigung von Lebensmitteln und Vorräten im Vordergrund; Hantaviren spielen in Deutschland vor allem bei Rötelmäusen im Freien eine Rolle. Für die Bekämpfung ist wichtiger, dass Ratten scheuer und deutlich schwerer zu fangen sind.
Was kostet die Bekämpfung?
In Wohnungen meist 200 bis 500 Euro, abhängig von Art, Fläche und Zahl der Termine. Ein Kostenvoranschlag vor Beginn ist üblich.
Wenn Sie unsicher sind, ob es eine Maus oder eine Ratte ist: Legen Sie ein Foto neben einen Gegenstand mit bekannter Größe, etwa ein Lineal oder ein Feuerzeug, und lassen Sie den Fund prüfen. Das geht schneller, als mit der falschen Falle eine Woche zu verlieren. Wir sehen uns die Stelle vor Ort an, bestimmen die Art und legen die nächsten Schritte fest: 0221 29256020.
